Bestäuber

Bestäuber sind Tiere, welche Pollen zwischen verschiedenen Blüten einer Pflanzenart austauschen. Während auf diese Weise ein genetischer Austausch zwischen den Individuen einer Pflanzenart gewährleistest wird, es zu einer Befruchtung kommt und somit die Reproduktionsfähigkeit erhöht wird, nutzen die Tiere den von den Blüten bereit gestellten Nektar und Pollen als Nahrungsressource. Es besteht somit ein mutualistisches Verhältnis zwischen der Pflanze und dem Bestäuber, eine Win-Win-Situation.

Über 85 % der Wild- und Kulturpflanzen und somit auch eine Vielzahl unserer Nahrungspflanzen werden durch Tiere, insbesondere Insekten bestäubt. Die Bestäuber bieten uns eine wichtige Ökosystemdienstleistung, welche auf einen Wert von ca. 153 Milliarden Euro pro Jahr geschätzt wird*

Zu den wichtigsten Bestäubern in Deutschland gehören Bienen, Schmetterlinge, Fliegen, Wespen und Käfer. Neben der Honigbienen spielen Wildbienen eine wichtige Rolle und können sogar eine höhere Bestäubungsleistung als Honigbienen aufweisen.

Quelle: Bundesamt für Naturschutz, 2018, Bestäubung als Ökosystemdienstleistung, URL: https://www.bfn.de/themen/natura-2000/eu-und-internationales/schutz-der-bluetenbestaeuber/bestaeubung-als-oekosystemdienstleistung.html [13.10.2020]

Gefährdung

Leider sind viele Bestäuber gefährdet. Ein Großteil der mindestens 566 Wildbienenarten in Deutschland gefährdet. Auch viele Schmetterlinge sind in Ihrem Bestand bedroht. Alleine von den 1450 in Deutschland vorkommenden Großschmetterlingsarten sind 39 % gefährdet oder sogar ausgestorben.

Die Intensivierung der Landwirtschaft hat maßgeblich einen negativen Effekt auf die Bestäuberpopulationen. Die Verwendung von Insektiziden kann direkt zu einer erhöhten Mortalität der Individuen oder auch einer Orientierungslosigkeit führen. Immer größere Bestände an Monokulturen führen zu einer Verarmung der Landschaft. Bestäuber finden keine ausreichenden Nahrungsbestände. Der Einsatz von Herbiziden verhindert das Aufkommen der Nicht-Kulturpflanzen. Handelt es sich beispielsweise um einen Getreideacker fehlen hier die somit die wichtigen Ackerwildkräuter zwischen den nektarlosen Getreideähren.

Auch der Verlust spezieller Nahrungspflanzen führt zu einem Rückgang der Populationen. Viele Bestäuber sind auf bestimmte Pflanzenarten oder -familien spezialisiert. So legen viele Schmetterlinge ihre Eier auf artspezifischen Pflanzen ab, welche die einzige Raupenfutterpflanze darstellen. Gehen diese besonderen Arten verloren, folgt unweigerlich der Rückgang der Insektenart. Viele solcher besonderen Pflanzenarten sind in hochwertigen Biotopen zu finden.

Zudem gehen immer mehr Lebensräume und Nisthabitate verloren. Besonders das „Aufräumen“ der Natur mit einer häufigen Mahd- oder Mulchfrequenz zerstört Rückzugsgebiete. Insbesondere Winterquartiere gehen dadurch deutlich zurück.

Schutz

Zum Schutz der Bestäuber sollte die Landwirtschaft extensiviert werden. Der Verzicht auf Insektizide kann einen direkten Vorteil bieten. Zudem sollte in der Agrarlandschaft ein höherer Strukturreichtum geschaffen werden. Blütenreiche Ackerrandbereich sollten erhalten werden.

Ein insektenfreundliches Mahdmanagement kann sich ebenfalls positiv auf die Population der Bestäuber auswirken. So sollten Flächen seltener gemäht und Altgrasbestände stehen gelassen werden.

Private Gärten bieten ein riesen Potential für Bestäuber. Der im Vergleich zu landwirtschaftlich genutzten Bereichen, meist höhere Blütenreichtum in privaten Garten, bietet den Bestäubern ein attraktives Nahrungsangebot und können im Winter einen Rückzugsort bieten.

Zum Schutz seltener, spezialisierter Arten sollten deren Futterpflanzen erhalten und gefördert werden. Hochwertige Biotope, wie Magerrasen oder feuchte Wiesen sollten durch eine angepasste Pflege geschützt werden.

Biene auf Margeritenblüte
Pfauenauge auf Palmkätzchen
Die Grundfarbe des Rosenkäfers ist grün Metallic, je nach Lichteinfall schimmert er golden. In diesem Bild sitzt der Käfer auf kleinen weisen Blütchen
Dicker dunkelbrauner Käfer krabbelt einen Ast entlang

Grüngitter

In Kooperation mit Flächeneigentümern und Landwirten setzt sich das „Grüngitter“ eine extensive Bewirtschaftung von Ackerflächen und Grünland ein. Im Rahmen des Vertragsnaturschutzprogramms (VNP) können solche extensivieren Maßnahmen gefördert werden. Gemeinsam mit Flächeneigentümern, Landwirten und dem Landschaftspflegeverband Bad Kissingen e.V. führt das „Grüngitter“ Pflegemaßnahmen zum Erhalt hochwertiger Flächen durch. So werden Magerrasen nur selten und extensiv gepflegt oder Wiesen werden seltener und später gemäht. 

Im Kooperation mit den Gemeinden und Bauhöfen wird nach und nach ein insektenfreundliches Mahdmanagement der kommunalen Grünflächen und dem Straßenbegleitgrün etabliert. Flächen sollen möglichst gemäht, anstatt gemulcht werden und bestenfalls das Mahdgut abtransportiert werden. Die Mahd soll seltener und im zeitlichen sowie räumlichen Abstand stattfinden. Altgrasstreifen sollen über den Winter erhalten werden. 

Darüber hinaus wird Rahmen des Grüngitters, in Kooperation mit dem Institut für Biodiversitätsinformation e.V. (IfBI) [https://www.ifbi.net/ der Name sollte mit dem Link unterlegt werden] ein Monitoring der Wildbienenpopulationen durchgeführt. Dabei soll der Einfluss des Lebensraums (Acker und Grünland), der Bewirtschaftungsform (extensiv und intensiv) sowie der umgebenden Struktur (strukturreich und strukturarm) auf die Abundanz und Diversität der Wildbienen untersucht werden.